Dienstag, 2. Juli 2013

Gipfelversuch Ancohuma (6427m)

Die Blase zwang mich gegen Mitternacht, das Zelt zu verlassen. Der Blick in den Himmel ließ vorsichtigen Optimismus aufkommen. Das änderte sich dann komplett, als wir gegen 2:30 Uhr das vertraute aber keinesfalls erwünschte Geräusch von stetig rieselnden Schnee vernahmen. Die Begeisterung stand uns in den Gesichtern geschrieben.

Begeisterung um 2:30 Uhr

Trotzdem wollten wir erst einmal etwas essen und krabbelten zu Ricardo in dessen Zelt hinüber. Nach dem mit wenig Lust verzehrten Müsli nahmen wir die Thermosflaschen, die nun mit dem bekannten Dopingmittel Peronin gefüllt waren, entgegen und zogen uns wieder in unser Zelt zurück.

Dort beratschlagten wir, was zu tun sei. Eigentlich geht niemand bei einem solchen Wetter los. Andererseits mussten wir irgendwann zumindest bis zu unserem Material gehen, um jenes wieder einzusammeln. Vor allem aber war hier und jetzt unsere einzige Chance auf diesen Gipfel. Also konnten wir auch ruhig einmal losgehen. Wir wollten aber noch einige Minuten warten, und so starteten wir um 3:50 Uhr.

Der Weg zum Material war durch den Neuschnee nicht angenehmer geworden, und es schneite munter weiter.

Im Schneetreiben

Eine halbe Stunden später waren wir bei unserem Material, das inzwischen ein weißes Kleid trug. Um 4:35 Uhr brachen wir angeseilt auf, den Gletscher zu ersteigen.

Verschneites Material

Zunächst lief es noch ganz gut, ließen sich die Spuren von unserem Erkundungsgang meistens doch noch erkennen. Aber dieser Komfort endete ja schon auf ca. 5500mH. Danach wurde die Wegfindung richtig anspruchsvoll. Wenn mal etwas mehr zu erkennen war, dann sah das so wie auf dem Foto aus.

Auf dem vernebelten Gletscher

Oftmals aber war fast keine Sicht. Dafür entpuppte sich der Gletscher als einer der eher spaltenreichen Sorte, so dass wir immer wieder um solche herumgehen mussten. Zwischendurch keimte in uns die Hoffnung auf, dass sich das Wetter bessern könnte. Der Mond und ein paar Sterne waren zu sehen. Doch dieser Schein trog, denn kurz darauf setzte erneut Schneefall ein. Mit beginnendem Tageslicht gab es dann noch einmal eine Schneepause, und wir sahen, dass wir nun schon den größten Teil des zerrissenen Gletschers hinter uns hatten.

Hin und wieder gab es auch mal etwas Eisarbeit zu tun, wie auf dem Foto zu sehen ist.


Leider zog sich der Himmel bald wieder zu, und der Schneefall wurde heftiger. Ich begann nun, mir ernsthaft Sorgen zu machen, wie wir in diesem "Whiteout" den Weg zurück finden sollten. Auch J.O. bemerkte, dass er keinen Sinn im Weitermachen sah, und so entschlossen wir uns um 7:35 Uhr in 5820mH schweren Herzens zur Umkehr.

Am Umkehrpunkt

Der Rückweg erwies sich als genau so schwierig wie befürchtet. Natürlich war unsere Aufstiegsspur bald nicht mehr zu sehen, und so mussten wir erneut beginnen, uns einen Weg durch das Gletscherlabyrinth zu bahnen. Als wir schon ungefähr auf der Höhe des Einstiegs waren, meinte J.O., dass wir uns auf eine Felswand zu bewegen sollten. Ich war skeptisch, da wir meiner Meinung nach zu weit links herausgekommen waren. Kurze Zeit später erwies sich meine Skepsis als berechtigt. Mir war allerdings so, als ob mir vom Vortag die Lage dieser Wand bekannt vorkam, und so sagte ich, dass wir nach rechts queren müssten.

Tatsächlich erreichten wir um 9:20 Uhr wieder unseren Anseilplatz und waren dem Gletscher entronnen.

Dem Gletscher entronnen

Vierzig Minuten später hatten wir uns erneut erfolgreich durch den nun noch heikleren Geröllhang gekämpft und waren an unserem Lager angekommen. Fast gleichzeitig mit uns trafen die drei Träger vom Vortag ein. Wir mussten uns erst einmal in unserem Zelt etwas ausruhen, während die anderen schon begannen, das Lager abzubauen. Das war wegen des Neuschnees natürlich auch nicht so spaßig.

Beim Abbau des Lagers

Schließlich packten auch wir unsere Sachen zusammen und begannen gemeinsam mit Ricardo und den Trägern den Abstieg. Natürlich waren letztgenannte uns trotz der widrigen Verhältnisse bald weit voraus.

Unsere Träger im verschneiten Geröllhang

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